„Ein Kraftfeld, das ausstrahlt“

Heute Nachmittag um halbdrei wird im Senatssaal der Fachhochschule Köln das dritte Gutachten über die Kosten einer Sanierung der FH versus ihren Neubau im Kölner Süden vorgelegt. Leider wusste Prof. Joachim Metzner, Präsident der Fachhochschule Köln, bei der öffentlichen Diskussionsveranstaltung gestern noch nicht, zu welchem Ergebnis sie kommt, nur so viel, dass es wohl 300 Millionen Euro kostet, die FH in Bayenthal neu zu erbauen. Darin sind indes keine Gelder für den Rückbau des Altgebäudes enthalten, noch für die sinnvolle Neubebauung dieser Fläche in Deutz.

Metzner sprach sich deutlich dafür aus, das Rechtsrheinische zu verlassen. Ein neues Campusgelände in der Nähe zur Uni verspräche Imagegewinne, Synergien und sichere auch in Zukunft den Zustrom von Studierenden. Derzeit studieren rund 8.000 junge Leute an der FH in Deutz. Sehr viel mehr passen fast nicht hinein. Helmut Raabe, Schulleiter des benachbarten Georg-Simon-Ohm-Berufskollegs schlug vor, den Standort beizubehalten und mehr auf sich bereits abzeichnende Synergien zwischen den sechs technischen Kollegs und der FH zu setzen. Die Nähe zur FH erzeuge bei den Fachabiturienten bereits eine erhöhte Affinität zu den in Fußnähe statt findenden Studiengängen. Darüber hinaus erzielten sie schon am Kolleg Grundlagenwissen z.B. im Fachbereich Informatik und Mechatronik.

Ingenieure und Informatiker sind nach wie vor gefragt. Um die Wirtschaft auch langfristig mit entsprechend ausgebildeten Fachkräften zu versorgen sind nicht zuletzt auch junge Leute mit Migrationshintergrund im Visier. Technische Studiengänge stellen für sie einen leichteren Hochschulzugang dar. Abgesehen von ökonomischen Interessen, wirkt eine technische Hochschule so auch integrationsfördernd. Sie eröffnet dadurch Chancen für klassische Aufsteigerberufe.

Tatsächlich wurde die FH in Deutz in den 70er Jahren mit genau diesem gesellschaftlichen Leitbild konzipiert, erinnerte Prof. Dieter Prinz, emeritierter Professor der Fachhochschule Köln, Bereich Architektur und Stadtplanung. Leider sei dieser Impetus in der dem Land unterstehenden Bauphase seinerzeit nicht mehr zum Tragen gekommen. Die Stadt habe nur tatenlos zusehen können. Die große Chance besteht für Prinz darin, die anstehende Sanierung dafür zu nutzen, das ursprüngliche Ziel, die FH architektonisch viel stärker in ihr Wohnumfeld zu integrieren, neu ins Auge zu fassen. Prinz befürwortete, mit „einem ganzheitlichen Ansatz ein Kraftfeld zu schaffen, das ausstrahlt“. Er sprach Metzner gegenüber seine persönlich Enttäuschtheit darüber aus, keine gesellschaftspolitische Verantwortung an den Tag zu legen. Die rund 150 Zuhörer begrüßten diese Stellungnahme mit Beifall.

Auch Prof. Michael Erlhoff, Gründungsdekan des Kölner Fachbereich Design, konnte einem neuen Campus in Bayenthal nichts abgewinnen, sei er doch „eine Ausgliederung aus der urbanen Sozialität“, bei der „keine Synergien entstehen“ könnten, „ein Euphemismus, der sich schnell entlarvt, schlichter Feudalismus“.

Mit dem heute präsentierten Gutachten aus der Feder der RKW Rhode Kellermann Wawrowsky Architektur + Städtebau GmbH + Co. Kommanditgesellschaft soll entschieden werden, was mehr lohnt: Neubau im Süden oder Sanierung in Deutz. Das erste Gutachten, erstellt vom BLB kam bereits zu dem Schluss, dass ein Neubau weniger koste. Im zweiten Gutachten vom Bauministerium heißt es, eine Sanierung sei günstiger. Das Beispiel Uni Lindenthal zeigt überdies, dass Sanierung im laufenden Betrieb möglich ist. Bisher hat kein Gutachten geprüft, ob nicht das nun leer werdende Feuerwehrgebäude um die Ecke und auch das leere AWB-Gelände nicht nur als Ausweich-, sondern auch als langfristiger Erweiterungsbau denkbar wären. Auch das ehemalige Huwald-Hammacher-Gelände in Köln-Kalk steht zur Disposition.

Die technische FH Köln befindet sich an der Nahtstelle zwischen Deutz und Kalk. Mit einer weitsichtigen Sanierung, idealerweise unter Einbeziehung des Know-hows von Studierenden und Nachbarn, könnte aus ihr eine Verbindungsstelle werden, ein Grundstein für städtische Weiterentwicklung – vor allem auch in den Köpfen derer, die sie lenken.

Henrik Link zur Veranstaltung
http://www.google.com/calendar/event?action=TEMPLATE&text=„Ein%20Kraftfeld,%20das%20ausstrahlt“&dates=20110615T134300Z/20110615T134300Z&details=Heute%20Nachmittag%20um%20halbdrei%20wird%20im%20Senatssaal%20der%20Fachhochschule%20Köln%20das%20dritte%20Gutachten%20über%20die%20Kosten%20einer%20Sanierung%20der%20FH%20versus%20ihren%20Neubau%20im%20Kölner%20Süden%20vorgelegt.%20Leider%20wusste%20Prof.%20Joachim%20Metzner,%20Präsident%20der%20Fachhochschule%20Köln,%20bei%20der%20öffentlichen%20Diskussionsveranstaltung%20gestern%20noch%20nicht,%20zu%20welchem%20Ergebnis%20sie%20kommt,%20nur%20so%20viel,%20dass%20es%20wohl%20300%20%5B…%5D&sprop=Kalkpost