Kalkberg – neues Gutachten wirft Fragen auf

Liebe Mitglieder des Rates der Stadt Köln und seiner Ausschüsse, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

der BI Kalkberg liegt seit wenigen Tagen das neue statische Gutachten der Firma GFP zum Kalkberg vor. Wie wir erfahren haben, wurde auch Ihnen dieses Gutachten teilweise erst nach den Sitzungen der mit dem Kalkberg befassten Ausschüsse und auch erst auf Drängen einiger Ratsmitglieder zugestellt. Wir sind doch ziemlich irritiert über diese Vorgehensweise, zumal Rat und Ausschüsse in Sachen Kalkberg schon mehrfach die frühzeitige Vorlage von Gutachten angemahnt hatten, damit ihnen Zeit bleibt, sich mit der komplizierten Materie zu befassen. Dass die Zustellung des Gutachtens, das immerhin die Sicherheit der Bevölkerung betrifft und keinerlei vertragsrelevante Informationen enthält, zudem mit dem Hinweis der Vertraulichkeit geschah, empfinden wir als Hohn gegenüber einer kritischen Öffentlichkeit.

Nun tagen Sie bereits heute im Rat über die Angelegenheit. Wir hatten, genau wie Sie, nicht die Zeit, in dieser Kürze das Gutachten bis in alle Details zu studieren, aber einige Widersprüche und Ungereimtheiten fallen doch sofort ins Auge:

Im Bericht zur geotechnischen Erkundung im Bereich des Loses 2/3 heißt es auf Seite 7: „Im Rahmen der Aufschlussarbeiten wurden aus den 19 Kleinrammbohrungen insgesamt 286 gestörte Bodenproben entnommen und bodenmechanisch beurteilt. Aus der KRB 38 wurden die Proben von 11,0 – 12m, von 12,0 bis 13m, von 15,7 bis 16,2m und von 16,6-17m für chemische Analysen im Auftrag der Stadt Köln dem UCL Control Labor aus Köln übergeben. Die Untersuchungsparameter wurden durch das Amt 57, Umwelt- und Verbraucherschutz, festgelegt. Die Auswertung dieser Ergebnisse erfolgt in einer Stellungnahme im Auftrag des Amtes 57. Die nicht chemisch untersuchten Proben wurden als Rückstellproben im Probenlager archiviert und eingelagert. Die fachgerechte Entsorgung der Bodenproben erfolgt erst nach einer Freigabe durch die Ämter 57 und 59. Aus den Aufschlüssen im Bereich des Loses 2/3 wurden keine weiteren Bodenproben bodenmechanisch untersucht.“

Hierzu ist zu sagen, das KRB (Kleinrammbohrung) 38 zu den zahlreichen Bodenproben gehört, bei denen geruchlich auffällige Bodensequenzen festgestellt wurden. Diese geruchlichen Auffälligkeiten werden, laut Legende (siehe Anhang) in schwach, normal und stark unterschieden. In KRB 38 reichen die geruchlichen Auffälligkeiten von 7,80 Bohrtiefe bis in 17 m Bohrtiefe. Dabei liegt diese Auffälligkeit bis 13,30 Meter Tiefe im „schwachen“ Bereich. Danach steigt sie bis zum Ende der Bohrung in 17m Tiefe auf „normal“ an und erreicht zwischen 15m und 15,70 m Tiefe sogar die Kategorie „stark“. In der Grafik im Anhang können Sie erkennen, dass sozusagen „um den kritischen Bereich herum geprüft“ wurde.

Wir möchten in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass KRB38 sich in der Nähe desjenigen Bohrpunktes befindet, bei dem bereits das letzte Gutachten einen „üblen Geruch“ festgestellt hatte, der damals dazu führte, das man die Bohrung abbrach, um keine Verbindung zwischen der offensichtlichen Bodenverschmutzung und dem Grundwasser herzustellen. Trotz dieser offensichtlichen Belastung war die Probe, ebenso wie eine andere offensichtlich belastete Probe, damals auf bis heute ungeklärte Weise dem Umweltamt vorenthalten worden. Erst durch öffentlichen Druck wurde die andere Probebohrung durch das Umweltamt wiederholt (heraus kam eine 120cm dicke Altölschicht unter dem Kalkberg). Aber die erstgenannte Probebohrung wurde, trotz des Insistierens durch die BI Kalkberg, nicht wiederholt. Angesichts dieser Vorgeschichte halten wir die Tatsache, dass ausgerechnet der genannte „stark“ geruchsauffällige Bereich der neuen Probe 38 nicht untersucht wurde, nicht für Zufall, ebenso wenig wie die Tatsache, dass offensichtlich keine andere der 26 Bohrungen aus den Losen 2-3 und 4, die bis auf eine (KRB 28) sämtlich geruchliche Auffälligkeiten aufwiesen, chemisch untersucht wurde.

Glücklicherweise liegen die Proben offenbar noch im Probenlager. Wir bitten Sie, die Stadt Köln aufzufordern, zumindest sämtliche „stark“ geruchsauffälligen Sequenzen chemisch zu analysieren und die Bohrungen ggf. zu wiederholen, sollten sich die womöglich heiklen Substanzen bei der Lagerung der Proben inzwischen verflüchtigt haben.

Weitere erste Auffälligkeiten des Gutachtens: Es fehlen Schnittzeichnungen aus denen hervorgeht, wie die vermutete Lage des Kalkpuddings unter der Straße bzw. den Böschungen ist. Die vorgelegten beiden Schnittzeichnungen behandeln lediglich die Oberfläche des Kalkbergs. Wenn, wie an der Kleinrammbohrung 27, der Kalk lediglich 70 cm unter der Straße liegt, so wäre wichtig, einmal im Schnitt zu sehen, wie unter diesen Umständen eine Stabilität von Straße und Böschungen gewährleistet werden soll.

Das Gutachten beruht offenbar ausschließlich auf gestörten Bodenproben. Eine gutachterliche Einschätzung ausschließlich auf Grundlage gestörter Bodenproben ist nach unseren Informationen gar nicht zulässig!

Wir vermissen des Weiteren eine Darstellung der Gleitkreise, die das Rutschrisiko der Hänge darstellen und in den Berechnungen des Prof. Benner eine zentrale und plausible Rolle spielten. Arbeitet der neue Gutachter grundsätzlich ohne Gleitkreisberechnungen?

Wir verlangen eine Erklärung dafür, wie es sein kann, dass der neue Gutachter kaum Kalk direkt unter der Oberfläche des Kalkbergs antraf, während der alte Gutachter bei zwei Dritteln seiner zahlreichen Proben auf Kalk direkt unter oder sogar an der Oberfläche des Kalkbergs sowie unter der Straße gestoßen war. Der Kalk war überdies, wo er an die Oberfläche trat, mit bloßem Auge zu erkennen. Wir gehen nicht davon aus, dass er sich unter irgendwelche anderen Bodenschichten zurückgezogen hat!

Im Anhang finden Sie diejenigen Ausschnitte der Gutachten zu den Baulosen 2-3 und 4, die den Inhalt dieser mail betreffen. Die vollständigen Gutachten wären zum Versenden per mail zu umfangreich. Wir erwarten jedoch, dass die Stadt Köln diese Gutachten online öffentlich verfügbar macht!

Mit freundlichem Gruß, für die BI Kalkberg

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Architektur/Stadtplanung Politik eingetragen am: 11:07:2017 18:41 Uhr